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Der Krimi

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Preil (geht quer über die Bühne)
Herricht (kommt ihm entgegen, doch Preil geht an Herricht vorbei, als bemerkte er ihn nicht)

Herricht (reagiert erstaunt) Hallo... guten Tag, halloo, Herr Preil ... Haben Sie es aber eilig. Wohin denn so schnell?
Preil (verdutzt) Entschuldigen Sie. Ich hab' Sie wirklich nicht gesehen. Aber ich hab' es sehr eilig.
Herricht (erstaunt) Und wo wollen Sie so schnell hin?
Preil (blickt auf seine Uhr) Ins Kino! Die Vorstellung fängt nämlich gleich an.
Herricht Ins Kino? Sie gehen ins Kino? Das ist ja interessant. Gehen Sie gern ins Kino?
Preil (wie selbstverständlich) Ja, könnte man sagen. Sie nicht? Ich meine, gehen Sie auch gern ins Kino?
Herricht (großartig) O ja, ja, ja... was glauben Sie, ich gehe sogar unheimlich gern ins Kino. Nicht oft, aber gern.
Preil (neugierig) Was haben Sie denn beim letzten Mal gesehen? Ich meine, war es interessant?
Herricht (prompt) Interessant?! Es war direkt aufregend.
Preil (erstaunt) Wieso aufregend?
Herricht (lächelnd) Ich hatte meine Eintrittskarte vergessen.
Preil (überlegen) Wieder mal typisch Herricht. Und ich dachte schon, Sie hätten sich einen Krimi angesehen.
Herricht (spontan) Nein! In Krimis gehe ich prinzipiell nicht.
Preil (perplex) Prinzipiell nicht? Wieso denn das?
Herricht (überzeugt) Die Handlung ist mir zu kompliziert.
Preil (fassungslos) Die Handlung zu kompliziert? Aber ich bitte Sie. Jeder sieht doch heute gern Krimis. Jeder Mensch liebt Krimis. Krimis gehören fast zur »Allgemeinbildung«!
Herricht (bleibt dabei) Mag ja sein, Herr Preil. Trotzdem verstehe ich Krimis so schlecht.
Preil (erstaunt) Sie verstehen Krimis schlecht? Das höre ich aber zum ersten Mal.
Herricht (erläutert mit einem spürbaren Unterton) Es gibt immer ein erstes Mal. Sie können es mir glauben. Ich meine... also, wie gesagt... ich finde mich da nicht so durch. Ich weiß dann immer nicht, ist der der Täter oder ist der der Täter oder ein ganz anderer? Und die vielen Personen... Moment mal... Herr Preil, gehen Sie etwa jetzt in einen Krimi?
Preil So ist es. Ich gehe jetzt in einen Kriminalfilm.
Herricht (mit grandiosem Einfall) Och, Herr Preil, das wäre ja die Idee. Da komme ich doch aber sofort mit.
Preil (erschrocken) Sie kommen was?
Herricht (begeistert und mit Tempo) Klar, ich komme mit Ihnen mit. Ich sehe mir den Kriminalfilm auch an, und Sie erklären mir dann gleich alles. Dann verstehe ich doch endlich mal einen Krimi und weiß, ob nun der oder der der Täter ist, oder vielleicht doch ein anderer...
Preil (mit ablehnendem Ton) Nein, nein, nein, und außerdem bekämen Sie jetzt gar keine Eintrittskarte mehr.
Herricht (zweifelnd) Na, eine Karte wird man doch wohl noch bekommen...?
Preil (bleibt dabei) Wetten, daß Sie keine Karte mehr bekommen?
Herricht (beharrlich) Aber ich könnte es doch versuchen...
Preil (unwillig) Natürlich können Sie es versuchen. Aber ohne mich! Ich gehe jetzt. Ich möchte den Anfang meines Krimis nicht verpassen. Der Anfang eines Krimis ist nämlich immer sehr wichtig...
Herricht (interessiert) Ach was...?!
Preil (versucht Herricht weiter zu überzeugen) Gerade bei einem Edgar Wallace.
Herricht (stutzt) Bei wem?
Preil (wiederholt, dabei auf die Uhr blickend) Ich sagte Edgar Wallace. Sonst versteht man den schlecht.
Herricht (erstaunt) Wieso? Spricht der so undeutlich?
Preil (verblüfft) Kennen Sie Edgar Wallace nicht?
Herricht (harmlos) Nein! Ich kenne keine Filmschauspieler...
Preil (belehrend) Das ist kein Schauspieler! Das ist ein berühmter Schriftsteller...
Herricht (ungläubig) Und der spricht undeutlich?
Preil (verbessert) Der schreibt...!
Herricht (glaubt zu verstehen) Ach, der schreibt undeutlich!?
Preil (wird böse) Blödsinn.
Herricht (perplex) Der schreibt Blödsinn? Und dann ist der berühmt?
Preil (verbessert abermals) Das ist ein Engländer.
Herricht (begreift erstaunt) Ach, jetzt verstehe ich. Mit dem gehen Sie ins Kino?
Preil (ungeduldig) Edgar Wallace erwartet mich im Kino.
Herricht (verständig) Ach, der ist schon da und wartet auf Sie?
Preil (ungeduldig) Ich erkläre es Ihnen noch mal: Das ist ein Kriminalschriftsteller. Der hat viele Kriminalromane geschrieben. Kennen Sie den »Hexer«?
Herricht (prompt) Nein. Den kenne ich nicht.
Preil (fährt fort) Kennen Sie den »Zinker«?
Herricht (will es gut machen) Sie meinen sicher Klinker? Den Bruno Klinker... Den kenne ich, der wohnt zwei Häuser weiter.
Preil (giftig) Nein,... meine ich nicht. Wenn ich Zinker sage, meine ich Zinker und nicht Bruno Klinker.
Herricht (gibt nach) Ist ja gut, ich kenne den ja auch nur flüchtig. Wie gesagt, ich kenne weder den Dälles ...
Preil (wütend verbessernd) Wallace...
Herricht (unbeirrt) Gut! Wälles... noch kenne ich den Hexer und auch nicht den Zinker! Ach, und mit diesen dreien gehen Sie jetzt ins Kino?
Preil (aufgebracht) Ich gehe mit niemandem ins Kino...
Herricht (erfreut) Na, dann haben Sie doch noch drei Karten übrig. Da können Sie mir doch eine abgeben?!
Preil (grantig) Nein, ich kann Ihnen keine abgeben, denn ich habe nur eine Karte. Ich gehe prinzipiell allein, denn ich will im Kino meine Ruhe haben.
Herricht (mit ungläubigem Unterton) Guck an...
Preil (redet sich heraus) Ein Kriminalfilm ist nämlich kompliziert. Man muß sich konzentrieren. Schon allein der Titel: »Her mit dem Zaster!«
Herricht (erstaunt) Bitte? Wie war das?
Preil (wiederholt, ungeduldig auf die Uhr sehend) »Her mit dem Zaster!«
Herricht (beeindruckt) Donnerwetter, das ist ja schon spannend!
Preil (bestätigt) Jawohl, sogar sehr. Es geht dabeI um viel Geld um eine Bank und eine schöne Frau...!
Herricht (hat es erfaßt) Aha... und die fährt den LKW?
Preil (stutzt) Was für 'nen LKW?
Herricht Hatten Sie nicht gesagt: Her mit dem Laster?
Preil (verbessert ungeduldig) Ach, Quatsch. Ich sagte nicht Laster sondern Zaster, und Zaster ist Jargon!
Herricht (stutzt) Ach, das ist Scharbong... Und wer ist Scharbong...?
Preil Das heißt Jargon...!
Herricht (versteht nicht) Kenn' ich nicht. Und wer ist das?
Preil (erklärt genervt) Passen Sie auf. In den englischen Krimis sprechen die Verbrecher eine ganz besondere Sprache... Nämlich?
Herricht (sofort) Englisch!
Preil (giftig) Nein!... Jargon!
Herricht (wiederholt) Jargon,... heißt das nicht Schalom... und Sie verwechseln das ...?
Preil (zornig) Ich verwechsle gar nichts. Muß ich Ihnen denn nun noch einen Verbrecherjargon erklären...?
Herricht (listig) Das wäre nett. Sie kennen sich da sicher bestens aus...
Preil (merkt die Anspielung) Na, na, na... Also: Sagen Sie zum Geld immer Geld?
Herricht (erstaunt) Wie meinen Sie?
Preil (wird deutlicher) Wenn Sie zum Beispiel Ihr Gehalt, also Geld bekommen, ... was sagen Sie da?
Herricht Donnerwetter, schon wieder so wenig!
Preil (wird laut) Nein!!!
Herricht (widerspricht) Na ja, Sie vielleicht nicht. Sie haben sicher genug.
Preil (fährt fort zu belehren) Kennen Sie den Ausdruck Lappen?
Herricht (prompt) Na klar kenne ich Lappen!
Preil Und wo kommt der vor...?
Herricht (schlau) Vor... wiegend in Lappland.
Preil (ungehalten) Nein. Denn das ist Jargon.
Herricht (aufmerkend) Ist's die Möglichkeit, das ist Jargon?
Preil Ja, das ist Jargon. Und es ist Jargon, wenn ich zum Beispiel zu Ihnen sage: »Ich habe Zorn in der Hose.«
Herricht (entsetzt) Wie bitte?
Preil (wiederholt) »Ich habe Zorn in der Hose.«
Herricht (lacht amüsiert) Was Sie so alles in der Hose haben, Herr Preil! Na ja, passiert einem schon mal.
Preil (wird laut) Reden Sie doch kein dummes Zeug. Das heißt zum Beispiel volle Brieftasche!
Herricht (ungläubig) Das heißt volle Briefta ...?
Preil (erklärt nochmals) Ja! Das heißt volle Brieftasche!
Herricht (grinst) Wie war das?
Preil (ungeduldig) »vZorn in der Hose.«
Herricht (sehr amüsiert, lacht) Hahahaha. Und das ist Jargon?
Preil (bleibt freundlich) Ja, das ist Jargon. Was ist denn?
Herricht (bohrt weiter) So sprechen die Verbrecher...?
Preil Jaaa!
Herricht (will es genau wissen) Im Krimi?
Preil (reicht Herricht eine Filmzeitschrift) Im Krimi... Menschenskind, wenn Sie es nicht glauben... Hier, lesen Sie den »Filmspiegel«. Da steht alles drin, was Sie über den Inhalt des Films wissen müssen. Bitte... hier. So, nun lesen Sie...
Herricht (unwillig) Lesen? Ich?
Preil (ungeduldig) Ja, lesen! Nun los schon. Was steht da?
Herricht (blickt genau auf die aufgeschlagene Seite der Zeitung) Nichts...
Preil (zeigt auf den Artikel) Bitte, was steht da...
Herricht (nochmals) Nichts... konnte Eddy davon abhalten, in dieser Nacht den Plan auszuführen... Dichter gelber Nebel lagerte in den Straßen. Die Straßenlaternen waren kaum sichtbar... Huuuuu ... das ist ja gruslig.
Preil (bestätigt das) Ein Krimi muß ja auch gruslig anfangen...
Herricht (beeindruckt) Muß gruslig anfangen... interessant.
Preil (berichtet voller Spannung) Lesen Sie weiter... an der nächsten Ecke passiert nämlich schon ein Überfall.
Herricht (fast erstarrt) Ein Überfall... das wird ja immer gruseliger...
Preil (rätselnd) Und wer ist an dem Überfall beteiligt?
Herricht (prompt) Das Überfall-Kommando!
Preil (unwirsch) Nicht doch! Es ist ein Überfall auf eine Bank.
Herricht (erstaunt) 'ne Bank???!
Preil (voller Spannung) Es ist eine ganz besondere Bank...
Herricht (steigt mit Spannung ein) Ganz besondere Bank...?
Preil Und was für 'ne Bank?
Herricht (prompt) 'ne... Eckbank!
Preil (ungeduldig) Nein...! Kennen Sie denn keine Bank?
Herricht (beleidigt) Natürlich kenn' ich Bänke!
Preil (verbessert sofort) Nicht Bänke! Banken! Die Einzahl heißt Bank und die Mehrzahl heißt: ...?
Herricht (überzeugt) Bänke!
Preil (energisch verbessernd) Banken! Im Gegensatz zu Schrank. Da heißt es...?
Herricht (sofort) Schranken!
Preil (böse) Nein! Schränke! Aber ich weise Sie in die...
Herricht (ganz schlau) Schränke!
Preil (explodiert) Nein... Quatsch... Menschenskind, machen Sie mich nicht schon wieder verrückt.
Herricht (beruhigt Preil) Tjaaa ... beim Krimi braucht man starke Nerven... So, das hätten wir. Und nun, Herr Preil, machen wir es so wie immer. Sie erklären es mir an Hand eines praktischen Beispiels...
Preil (erschreckt) Was...?.. 'ne Szene spielen?
Herricht (läßt sich nicht davon abbringen) 'ne Szene spielen! Wir spielen Krimi! Und dann verstehe ich ihn!
Preil (sehr erschreckt) Was ist los?
Herricht (nicht zu bremsen) Sie spielen hier, aus der Filmzeitung, diesen Eddy...
Preil (schüttelt den Kopf) Wieso denn? Das ist doch der Ganove...
Herricht (unbeeindruckt) Naja, das paßt doch prima.
Preil (ergreift die Initiative) Aber dann ganz von vorne bitte, damit nichts schief geht.
Herricht (einverstanden) Das ist gut. Also ganz von vorne.
Preil (beginnt schulmeisterhaft) Ich erkläre Ihnen jetzt einen ganz normalen Vorgang auf einer Bank. Wir nehmen mal diesen Tisch! Das ist jetzt unsere Bank...
Herricht (erstaunt) Das ist ja 'n Ding. Der Tisch ist eine Bank.
Preil (wiederholt) Der Tisch ist eine Bank. Sehr richtig. Und jetzt...?
Herricht (plappert weiter) Jetzt komme ich ... und dann frage ich: Verzeihung, ist hier noch 'n Plätzchen frei?
Preil Nein... es ist doch keine Sitzbank...
Herricht (verbessert sich) Ach so. Hab' ich vergessen.
Preil (erklärt intensiv) Der Tisch ist jetzt ein Schalter.
Herricht (ist es recht) Natürlich! Der Tisch ist kein Tisch, sondern ein Schalter.
Preil (kompliziert es noch mehr) Und ich stehe jetzt hinter dem Schalter, ... als... als... Haupt...
Herricht (prompt) ... schalter...
Preil (energisch) Kassierer!
Herricht (einverstanden) Hauptkassierer!
Preil (erklärt eifrig) Und Sie... Sie kommen jetzt rein.
Herricht (einverstanden) Und dann kassiere ich...
Preil (verzweifelt) Aber nicht doch. Sie sind doch die Kundschaft.
Herricht Das hätten Sie doch gleich sagen können.
Preil (erbost) Das habe ich doch die ganze Zeit gesagt...
Herricht (unterbricht sofort) Gut, gut, gut, gut... ich bin also die Kundschaft... und komme jetzt.
(Er steht vor einer imaginären Tür und scheint dort etwas zu studieren.)
Preil (unwillig) Was machen Sie denn da?
Herricht (bleibt freundlich) Ich kundschafte. Ich lese die Öffnungszeiten.
Preil (unwillig) Lassen Sie den Blödsinn und kommen Sie jetzt gefälligst rein. Bitte schön...
Herricht (wirbelt durch eine angenommene Drehtür) Ssssssssssssiiiiittttt...
Preil (schockiert) Haben Sie einen Drehwurm...?
Herricht (freundlichst) Drehtür,... hatte nur ein bißchen zu viel Schwung... ... 'schuldigung!
Preil (beginnt das Spiel) Guten Tag, mein Herr...!
Herricht (ebenso freundlich) Guten Tag...! Guten Tag, Herr Hauptmann.
Preil (verbessert energisch) Hauptkassierer...
Herricht (korrigiert sich) Oder so...
Preil (devot) Guten Tag, mein Herr... Sie wünschen...?
Herricht (stottert herum) Ja... ich wünsche... ja, was wünsch' ich mir denn da so ...
Preil (hilft flüsternd weiter) Sie müssen Geld abheben.
Herricht (perplex) Ich muß Geld abgeben. Ich habe nicht einen Pfennig bei mir ...
Preil (unwillig) Nicht abgeben... abheben. Ich habe das Geld, und ich bin die Bank, und ich zahle es Ihnen aus. Sie haben inzwischen ein Formular ausgefüllt, und auf dieses Formular hin zahle ich Ihnen dann 100 Mark aus.
Herricht (tut verblüfft) Sie zahlen mir jetzt 100 Mark aus... nicht zu glauben...!
Preil (nimmt seine Brieftasche aus dem Jackett) Hier ist meine Brieftasche, aus der nehme ich das Geld, damit das ganz real gespielt werden kann.
Herricht (entdeckt, während Preil die Brieftasche öffnet, auch die Kinokarte) Aha... oooooh... da ist ja auch die Kinokarte...
Preil (energisch) Die bleibt da auch! Die interessiert uns überhaupt nicht. Ich zahle jetzt aus...
Herricht (reibt sich schmunzelnd die Hände) Na, denn mal los.
Preil (legt einen 50-Mark-Schein vor Herricht auf den Tisch.) Mein Herr, hier ist Ihr Geld... bitte! So macht man das. Fertig.
(weist auf den Schein) Mein Herr... was ist das?
Herricht (sofort) Das ist Betrug.
Preil (verblüfft) Wieso?
Herricht (konsequent) Ich habe laut Formular 100 Mark abgeschoben...
Preil (verbessert) Abgehoben!...
Herricht Oder so... Das sind aber nur 50 Mark!
Preil (unlustig, dann legt er noch einen 50-Mark-Schein dazu) Menschenskind, wir spielen das doch nur. Also gut... Und was ist das nun...?
Herricht (streicht freudig das Geld ein) Das sind zwei 50-Mark -Scheine.
Preil (erklärt es noch mal) Und das ist ein ganz normaler Vorgang auf einer Bank.
Herricht (wiederholt) Aha... das ist also ein ganz normaler Vorgang auf einer Bank.
Preil (erleichtert) Haben Sie das endlich verstanden?
Herricht (hintergründig) Ich glaube nicht.
Preil (fassungslos) Wieso denn nicht?
Herricht (listig) Das müßten wir eigentlich gleich noch mal machen...!
Preil (wehrt sofort ab) Nee, nee, nee, ... jetzt machen wir was anderes. Jetzt spielen wir mit dem Geld einen Banküberfall.
Herricht (begeistert) Ah, verstehe! Jetzt kommt die Filmszene. Jetzt geht der Krimi also los.
Preil (in Fahrt) Und ich werde Ihnen zeigen, wie raffiniert dieser Eddy auf der Bank vorgeht... Also los. Sie spielen jetzt den Kassierer...
Herricht (erfreut) Ach... ich...?
Preil (emsig) Und ich spiele den Ganoven...
Herricht Endlich mal 'ne richtige Fachrolle für Sie.
Preil (beleidigt) Bitte! Keine Beleidigung. Achtung, wir fangen an. Ich komme... Kragen hoch...
Preil (klappt seinen Jackettkragen hoch, um verwegen auszusehen.
Herricht (macht es sofort nach.)
Preil (schnauzt ihn an) Sie doch nicht.
Herricht (mault) Ich kann mich ja erkälten.
Preil (geht vor die angenommene Tür) Passen Sie auf, Eddy kommt.
Preil (kommt herein und spielt dabei eine grausame Darstellung eines Gangsters.)
Herricht (weiß mit der »Anschleicherei« Preils nichts anzufangen) Hallo... Eddy ... guckkuck, Eddy hallo, ... hier bin ich...
Preil (zischt ihn wütend an) Menschenskind, Sie dürfen mich doch nicht bemerken.
Herricht (scheint begriffen zu haben) Ach... ich darf Sie nicht bemerken... gut! Dann kommen Sie am besten gleich noch mal...
Preil (schleicht sich noch mal zum Schalter.) Ich komme ganz unauffällig zu Ihrem Schalter...
Herricht (flüstert jetzt auch) ... zu meinem Schalter...
Preil (demonstriert schleichende Haltung) So herum... ganz unauffällig... Sie bemerken nichts... jetzt bin ich da...
Herricht (flüstert weiter) Und ich bemerke nichts...
Preil (böse) Natürlich,... jetzt bemerken Sie etwas...!
Herricht (begreift) Ach... jetzt bemerke ich etwas...
Preil Und was bemerken Sie...?
Herricht (superschlau) Etwas Bemerkenswertes...!
Preil (zückt aus seiner Tasche seine Tabakspfeife, mit der er eine Pistole demonstriert) Was ist das...?
Herricht (begriffsstutzig) Das ist 'ne Pfeife!
Preil (wütend) Das ist keine Pfeife, das ist jetzt eine Pistole, und ich nehme dazu nur meine Pfeife! Denn ich will was von Ihnen haben! Und was?
Herricht (naiv) Vielleicht Feuer?!
Preil (entnervt) Nein... Geld! Und warum?
Herricht (glaubt es zu erraten) Um sich ein Feuerzeug zu kaufen.
Preil (explodiert) Herrgottnochmal. .. sehen Sie doch her. Ich bin doch Eddy ... und wer bin ich als Eddy ...
Herricht (überzeugt) Eine Pfeife...!
Preil (bekommt einen Zusammenbruch und stammelt unzusammenhängend) Nein, nein, ... das ist doch alles falsch. Verkehrt, verkehrt, alles Blödsinn... 0 Gott, ich werd' noch verrückt...
(Dann schreit er Herricht an.) Ich bin ein Ganove...!
Herricht (verdattert) Warum schreien Sie denn so, das wissen wir doch alle...
(weist ins Publikum) Entschuldigen Sie... ich meine...
Preil (unterbricht energisch und kopiert wieder Eddy) Her mit den Mäusen...
Herricht (erstaunt) Aber das würde ich in 'ner Zoohandlung versuchen. Gleich um die Eck...
Preil (wütend weiter als Eddy) Her mit den Piepen...
Herricht (lacht albern) Ja, das ist zum Piepen... was Sie alles wollen... hahaha ...!
Preil (spielt weiter den Eddy) Hands up...!!
Herricht (verblüfft) Verzeihung, wo ist wasab?
Preil (erklärt) Hands up, das ist Englisch. Das heißt Hände hoch! Ich bedrohe Ihr Leben!
(spielt plötzlich mit Eddys Stimme die Rolle weiter) Ich will das Geld...
Herricht (genervt) Aber warum schreien Sie denn immerzu so? Da liegt es doch. Nehmen Sie es doch endlich. Es gehört ja Ihnen...
Preil (verzweifelt) Der Mensch begreift es nicht... er begreift es nicht...
Herricht (unterbricht erbost) Ich habe von Anfang an gesagt, ich verstehe keine Krimis!
Preil (erschöpft) Dann kann ich Ihnen auch nicht mehr helfen.
Herricht (hat einen Einfall) 0 doch! Sie könnten mir schon helfen.
Preil (winkt ab) Hör'n Sie auf. Wie denn...?
Herricht (schlau) Indem wir die Rollen vielleicht mal tauschen...
Preil (verblüfft) Tauschen?
Herricht (sofort) Darf ich mal Ihre Pfeife rauchen...
Preil (verbessert) Haben...
Herricht Ja, haben... Eine Frage noch, Herr Preil... Wann fing der Krimi im Kino an?
Preil (ungehalten) Ich habe Ihnen schon mal gesagt, Sie bekommen keine Karte mehr.
Herricht (plötzlich mit Feuereifer und Tempo) Das lassen Sie mal meine Sorge sein. Also... ich bin der Eddy ...
(stellt seinen Jackenkragen hoch) Gut so? ...
Preil (ergeben) Ja, ja... ganz prima...
Herricht (spielt drauflos) Donnerwetter... ist das hier eine Bank...
Preil (ermahnt) Unauffällig...
Herricht (unbeeindruckt) Eine ganz unauffällige Bank...
Preil (souffliert weiter) Ich darf Sie doch nicht bemerken...
Herricht (als Eddy) Haben Sie da vielleicht was zu bemerken...? Denn jetzt erst mal: Hände ab und zu mal hoch! Oder wie der englische Gangster sagt...
Preil (lobt) Gut... gut... gut... gut...
Herricht (in Fahrt) Halten Sie gefälligst Ihren Jargon, sonst hören Sie die Mäuse piepen.
Preil (spielt mit) Hier ist das Geld...
Herricht (voller Intensität) Ich will kein Geld... ich will die Brieftasche...
Preil (erstaunt) Was... meine Brieftasche auch...?
Herricht (spricht extrem schnell) Ich habe vielleicht eine Wut in der Jacke...
Preil (verbessert) In der Hose!
Herricht (nicht zu bremsen) Das ist jetzt Jacke Wie Hose...
Preil (reißt die Geduld und gibt Herrichtwütend seine Brieftasche) Hier... nehmen Sie die Brieftasche. Nehmen Sie alles, was Sie wollen. Lassen Sie mir mein Leben...
Herricht (mit großem Effekt) Ihr Leben interessiert mich nicht. Mich interessiert nur die Kinokarte ...! Haaa!
(nimmt die Eintrittskarte und rennt davon)
Preil (rennt hinterher) Halt, halt... das ist meine Kinokarte!

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