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Die Briefmarke

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Preil kommt, gefolgt von Herricht, im Streitgespräch auf die Bühne.

Preil (bleibt ungehalten stehen) ...müssen Sie mir denn alles nachmachen?
Herricht (erstaunt) Mitnichten, Herr Preil. Wie kommen Sie denn darauf?
Preil (zählt auf) Gehe ich zum Pferderennen, müssen Sie auch zum Pferderennen. Spiele ich Schach... müssen Sie auf einmal auch Schach spielen. Und jetzt auch noch Briefmarken sammeln...
Herricht (lehnt sofort ab) Oh, oh... Herr Preil, jetzt haben Sie mich aber mißverstanden... Ich will nicht Briefmarken sammeln, ich wollte nur schnell zur Post und ein paar Marken holen! Ich bin doch kein Philharmonist.
Preil (verbessert sofort) Was soll denn das nun wieder? Das ist ein Philatelist, der sammelt Briefmarken... und kein Philharmonist...
Herricht (setzt fort) ... der sammelt keine Briefmarken.
Preil (erklärt gelassen) Nicht doch... ein Philharmonist ist ein Musiker und kein Briefmarkensammler!
Herricht (unterbricht sofort) Moment... das kann nicht stimmen. Ich kenne einen Musiker, der sammelt Briefmarken.
Preil (rechthaberisch) Das kann er ja auch. Nebenbei! Aber ansonsten muß er Geige spielen oder Trompete blasen...
Herricht (mit Einfall) Zum Briefmarken sammeln...
Preil (amüsiert) Wieso zum Briefmarken sammeln...?
Herricht (erklärt) Man sagt doch: Es wird zum Sammeln geblasen.font>
Preil (belehrt Herricht) Auf der Jagd wird zum Sammeln geblasen. Auf einem Horn. Das große Hallali! Und wer bläst das?
Herricht (selbstvertändlich) Die Hallalisten!
Preil Die Hornisten!
Herricht (weiß es allerdings besser) Nein, nein, nein, Herr Preil! Die stechen! Blasen tun die nicht. Blasen muß da schon ein anderer, denn wenn die gestochen haben...
Preil (widerspricht entschieden) Nein! Das sind Hornissen. Aber ich rede jetzt nicht vom Stechen und Hornissen, ich rede jetzt von der Briefmarkenkunde!
Herricht (erstaunt) Bitte?
Preil (wiederholt) Ich rede jetzt von der Philatelie, das ist die Briefmarkenkunde!
Herricht (nochmals fragend) Wie...?
Preil (ungeduldig) Die Briefmarkenkunde!
Herricht (verbessert Preil) Herr Preil, Sie meinen der Briefmarkenkunde. Nur der Ordnung halber...!
Preil ...nicht der Ordnung halber... »Die« heißt es.
Herricht (widerspricht abermals) Jaaaa, die Briefmarkenkundin... So können wir uns einigen.
Preil (gibt auf) Also, nun streiten wir uns nicht. Sie sammeln ja doch nicht.
Herricht (will Recht behalten) Also, was glauben Sie, was ich alles sammle!
Preil (lacht überheblich) Ha, ha, ha...
Herricht (großspurig) Aber, Herr Preil... das Lachen würde Ihnen vergehen...
Preil (amüsiert und arrogant) Also, wenn ich Sie so ansehe... was sammeln Sie denn schon?
Herricht (kontert) Und wenn ich Sie so ansehe, da fällt es mir direkt ein... Flaschen, Lumpen, Altpapier!
Preil (böse) Also bitte... ich rede vom Briefmarkensammeln. Kennen Sie Sätze...
Herricht (überrascht) Natürlich kenne ich Sätze!
Preil (belustigt) Na dann nennen Sie mir doch mal einen Briefmarkensatz!
Herricht Nennen?
Preil (noch heiter) Nennen!!
Herricht Einen Satz!
Preil (will sich ausschütten) Einen Satz!
Herricht (ungläubig) Gut! Ich nenne einen Satz! Also, einen Satz mit Briefmarken... Die Briefmarken kleben schlecht!!
Preil (genauer) Ich meine doch das Motiv!
Herricht (überlegen) Tja, was wird das schon sein... Schlechte Gummierung!?
Preil (ungeduldig) Das Motiv auf der Briefmarke... ist das Bild auf der Briefmarke. Ist das klar?
Herricht Alles klar!
Preil (erklärt weiter) Und was ist da drauf? Da sind Gemälde drauf... Da sind Blumen drauf... Da sind Vögel drauf... Da sind... ach, was erzähl' ich denn, ich hab' ja mein Sammlerbüchlein immer bei mir. Schaun' Sie sich das mal an...
Herricht (tut ungeheuer begeistert) Na, das gibt's ja nicht! Na, sowas!? Das ist ja zauberhaft!
Preil (pflichtet bei) Ja, ja, ja, ja...!
Herricht (ist total hingerissen) Und so bunt...! Und alles bunte Marken! Da ist ja 'ne Schar Vögel!
Preil (muß verbessern) Was ist das?
Herricht (wiederholt) Vögel... eine Schar Vögel!
Preil (berichtigt) Das ist ein Satz Vögel!
Herricht (ist etwas wortlos) Ja, ja, ja... Das ist 'ne Schar Vögel...
Preil (sehr betont) Das ist ein Vogelsatz!!
Herricht (stolpert nun) Das ist... Bitte, was ist das?
Preil (beharrlich) Ein Vogelsatz!
Herricht (gibt nach) Ah ja... dann müssen wir das Lied ändern.
Preil (verwundert) Was denn für'n Lied ändern?
Herricht (sagt auf) »Amsel, Drossel, Fink und Spatz und der ganze Vogelsatz!«
Preil (mit unterdrücktem Zorn) Ich rede von einem Briefmarkensatz. Und das hier ist ein Briefmarkensatz. Schaun' Sie doch... das sind ganz besondere Vögel... Was ist das hier... zum Beispiel?
Herricht (sofort) Das ist eine Brieftaube!
Preil (verbessert) Das ist keine Brieftaube, das ist ein Wanderfalke!
Herricht (betrachtet) Ah jaaa... ein Wanderfalke!
Preil (will mehr wissen) Und was ist das Besondere an ihm?
Herricht (weiß auch was) Der fliegt nicht, der wandert!
Preil (ungeduldig) Unsinn! Das Besondere ist sein Ruf! Und was ruft der?
Herricht (unschlüssig) Was kann der schon rufen? »Das Wandern ist der Müllers Lust!«
Preil (macht es vor) Aber nein... der ruft: Ki ki ki ki ki...!
Herricht (perplex) Ach ja...? Wie war das? Was ruft der?
Preil (macht es noch mal vor) Ki ki ki ki...!
Herricht (amüsiert) Sie wandern auch viel?
Preil (erklärt nochmals) Das ist ein Raubvogel. Genau wie dieser hier! Und was ist das?
Herricht (überzeugt) Ja, das ist die Brieftaube?!
Preil (ungehalten) Das ist auch keine Brieftaube, das ist eine Schleiereule!
Herricht (will auch was wissen) Drum...!
Preil (erstaunt) Was heißt denn: drum!?
Herricht (weiß eine Erklärung) Schlecht zu erkennen. So verschleiert!
Preil (kurz) Und das hier?
Herricht (erfreut) Das ist die Brieftaube!
Preil Sagen Sie mal... was wollen Sie denn dauernd mit Ihren albernen Tauben? Kennen Sie überhaupt Tauben?
Herricht (mit Stolz) Ja, kenn' ich, Herr Preil. Aus dem Mä,rchen! Da hacken die Tauben... so in ein Töpfchen. Die schlechten ins Töpfchen und die anderen woanders rein... Kennen Sie das?
Preil (freudig überrascht) Was denn, Sie kennen Märchen?
Herricht (stolz) Natürlich kenne ich Märchen!
Preil (echt begeistert) Das ist ja großartig! Sie wollten doch zur Post gehen. Tun Sie mir einen Gefallen?
Herricht (mit Freude) Gern... ja. Selbstverständlich!
Preil (bittet) Bringen Sie mir doch meine »Märchenmarken" mit. Ich sammle doch Märchenbriefmarken.
Herricht (überaus bereitwillig) Herr Preil, nichts leichter als das.
Preil (bremst Herricht) Na ja... so leicht ist das nun auch wieder nicht. Das sind ja keine gewöhnlichen Marken. Das sind Sondermarken. Das sind Sammlermarken. Was sagen Sie da zu dem Postangestellten?
Herricht (selbstverständlich) Was soll ich schon sagen? Ich sage »Guten Tag«!
Preil (treibt ihn an) Ja, und dann?...
Herricht (logisch) Dann sagt der »Guten Tag«!
Preil (klärt ihn auf) Nein... was verlagen Sie für ein Märchen?
Herricht (sofort) Ja, das werde ich ihn fragen: »Was verlangen Sie denn so für ein Märchen?«
Preil (korrigiert) Doch nicht so fragen! Da sind Märchenfiguren drauf. Wie zum Beispiel die Sieben Geißlein!
Herricht (gibt an) Kenne ich doch...
Preil (unwillig) Menschenskind, Sie kennen immer alles...
Herricht (übertreibt) Natürlich... ich kenne alle Sieben!
Preil (nervös) Ja, ja, ja, alle Sieben kennen Sie! Sie kennen immer alles, und wenn es dann drauf ankommt...
Herricht (mutig) Soll ich's beweisen?
Preil (ihm ist es schon egal) Jaaaa, dann beweisen Sie es...
Herricht (beginnt sofort zu erzählen) Es war einmal ein Mann... der hatte sieben Söhne!
Preil (berichtigt) Ja, das sind die sieben Raben!
Herricht Ja, ja... das war nämich ein Rabenvater...! Die wollten also die ganze Welt durchziehen...
Preil (fröhlich) Ja... und das sind die sieben Schwaben!
Herricht (unbekümmert) Richtig, bis nach Schwaben. Aber dann kam Meister Nadelöhr... und erschlug sie alle Sieben... und das war sein letzter Streich...
Preil (unwillig) Sie bringen ja alles durcheinander. Es hat keinen Zweck, daß ich Sie zur Post schicke...
Herricht (bittet) Ach... Herr Preil!
Preil (will nicht) Nein, nein, es hat keinen Zweck...
Herricht (mit hinterlistiger Ironie) Bitte... erklären Sie es mir doch genau. Ich will doch wieder etwas von Ihnen lernen...
Preil (überredet) Also gut, Sie Quälgeist. das heißt... ich bin jetzt der Postangestellte...
Herricht (drängend) Herr Preil, bitte... lassen Sie mich den Postangestellten spielen...
Preil (gibt nach) Auch gut! Dann bin ich also der Briefmarkenkunde...
Herricht (voller Eifer) So ist es, Sie sind der Kunde jawohl.. und...
Preil (zeigt den Raum) Und das ganze hier ist die Post.
Herricht (freudig erregt) Das ist die Post... wie schön.
Preil (angesteckt) Schön... nicht wahr?
Herricht (begeistert) Ne richtig schöne Post!
Preil (malt weiter aus) Dann nehmen wir hier diesen kleinen Tisch... Das ist der Schalter. Der Postbeamte sitzt...
Herricht (erstaunt) Sitzt...? Ach, das ist ein Posträuber?
Preil (erklärt) Der Postbeamte sitzt hinter dem Schalter...
Herricht (fährt fort) Und schaltet und waltet.
Preil (ruft zur Ordnung) Nun walten Sie erst mal Ihres Amtes... hier haben Sie mein Briefmarkenbüchlein...
Herricht (eifrig) Ich bin jetzt also der Angestellte.
Preil (gibt das Büchlein und holt aus der Tasche auch noch eine kleine Lupe hervor) Hier... das Büchlein! Und hier habe ich noch... ach, das brauchen Sie ja gar nicht...!
Herricht (voller Freude) Oh... ein Monokokel... ein Monokel...
Preil (erklärt) Das ist doch kein Monokel, das ist ein Vergrößerungsglas... das braucht jeder Sammler
Herricht (voller Interesse) Damit kann man vergrößern?
Preil (erfahrungsgemäß) Damit muß man vergrößern. Was würden Sie denn zum Beispiel vergrößern?
Herricht (ohne lange nachzudenken) Nun... zunächst mein Gehalt!
Preil (fachlich) Damit betrachtet man die Marken.
Herricht (stimmt zu und betrachtet Herrn Preil angestrengt) Aha...!
Preil (unwirsch) Doch nicht mich...
Herricht Ich wollte nur mal sehen, was für 'ne Marke auf meine Post kommt.
Preil (sehr böse) Also, was ist? Spielen wir hier ernsthaft oder was?
Herricht (verspricht Besserung) Jawohl... ernsthaft! Es geht los!
Preil (willigt ein) Also los...! Ich komme... Ich komme durch eine Tür...
Herricht (einverstanden) Ist recht! ... Herr Preil, es ist aber keine Tür da!
Preil (überdeutlich) Doch nur angenommen.
Herricht (willig, dann auch rufend) Ach ja... schon gut! Vorsicht... Stufe...!
Preil (zuckt zusammen und kommt ins Straucheln) Ist doch gar keine Stufe da...!
Herricht (ebenso ernsthaft) Doch nur angenommen!
Preil (wütend) Unsinn! Also ich komme jetzt noch mal...!
Herricht (stöhnend) Noch mal... Das ist ein Kommen und Gehen... das muß die Hauptpost sein.
Preil (ruft freundlich aus der Entfernung) Ich komme jetzt!
Herricht (ebenso freundlich) Jaaa... wird auch Zeit! Wir schließen gleich.
Preil (eilt zum Schaltertisch und schnauzt Herricht an) Wollen Sie mir vielleicht etwas höflicher entgegenkommen...?
Herricht (steht von seinem Platz auf und will auf Preil zugehen) Ja... ich komme!
Preil (gequält) Sie bleiben hinter Ihrem Fenster!
Herricht (erstaunt) Ach, hier ist ein Fenster?
Preil Natürlich!
Herricht (aufmerksam) Dann will ich das gleich mal öffnen, denn ich glaube, hier gibt's noch dicke Luft!
Preil (erklärend) Jeder Schalter hat doch ein Fenster. Das brauchen Sie nicht zu öffnen. Da ist doch ein Loch drin!
Herricht (wundert sich) Ach, schon kaputt?
Preil Nicht doch... das ist ein Sprechloch!
Herricht (verwirrt) Ein was, bitte?
Preil (demonstriert) Ein Sprechloch... Hier in dieser Höhe ist das Loch... in der Scheibe drin... und dadurch wird gesprochen...
Herricht (will es natürlich nachmachen und piekt Preil fast die Augen aus)
Preil (zuckt zurück) Na, was soll denn das...? Können wir denn nun endlich anfangen?
Herricht (voller Tatendrang) Jetzt geht es sofort los!
Preil (unwillig) Kann ich mich jetzt darauf verlassen...
Herricht (unter Dampf) Ja, ja, ja, ja... Sie können sich darauf verlassen.
Preil (aufatmend geht er zur angenommenen Tür) Na endlich...
Herricht (atmet auch auf) Gott sei Dank...
(und dann beginnt er plötzlich wie ein Wilder imaginäre Briefe zu stempeln. Herricht stempelt unermüdlich.)
Preil (kommt am Sprechloch nicht zum Zuge.)
Preil (versucht über den Lärm hinwegzukommen) Guten Tag...
(Dann nochmals mit Stentorstimme) Guten Tag...!!!
Herricht (stempelt unermüdlich)
Preil (mit letzter Kraft) Halloooo... hören Sie mich denn nicht?
Herricht (erschrickt und bemerkt den Kunden. Er spielt »Sprechloch öffnen«. Dabei stammelt er) Entschuldigen Sie... mein Loch war noch geschlossen!!!!
Preil (bekommt vor dem Schalter Zustände. Dann faßt er sich und schreit Herricht an) Kann ich denn nun endlich meine Marken bekommen?
Herricht (ungehalten) Bitte, aber nicht in diesem Ton! Und stellen Sie sich erst mal hinten an.
Preil (erbost) Was soll ich... mich wo anstellen?
Herricht (belehrend) Haben Sie noch nie eine Post gesehen mit einer Schlange?
Preil (wütend) Das ist doch keine richtige Post!
Herricht (albern) Ist ja auch keine richtige Schlange!
Preil (fährt im Spiel abrupt fort) Guten Tag...!
Herricht (erschrickt) Spielen wir jetzt wieder?
Preil (wütend) Na klar spielen wir jetzt wieder.
Herricht (macht sofort mit) Guten Tag...
Preil Und jetzt in aller Ruhe. Ohne Aufregung! Klar?
Herricht (sehr höflich) Klar! Guten Tag, Herr Kunde!
Preil (sehr höflich) Herr Postangestellter, ich habe festgestellt... mir fehlt etwas!
Herricht (fällt sofort wieder aus der Rolle) Herr Preil... ich muß ihnen ehrlich sagen, ich habe schon lange festgestellt, daß Ihnen was fehlt...
Preil (platzt sofort der Kragen. Dann leiser) Bitte, was soll das? Ich möchte bitte... Brüderchen und Schwesterchen!
Herricht (sehr zuvorkommend) Bißchen spät, was?
Preil (wütend und flehend) Verstehen Sie mich denn nicht? Ich möchte bitte Brüderchen und Schwesterchen!
Herricht (überaus hilfsbereit) Tja... Herr Preil, bis hierhin ist ja alles klar, ich muß Sie nur darauf aufmerksam machen... hier ist die Post... und nicht der Klapperstorch!
Preil (fast aufgelöst) Mein Gott, das ist doch ein Märchen.
Herricht (erstaunt) Warum erzählen Sie es mir dann?
Preil (ungeduldig) Das ist ein Märchen von Grimm! Hat Ihre Großmutter denn früher nie Märchen vorgelesen?
Herricht (erfreut) Jaa, hat sie!
Preil (fragt weiter) Hat sie denn nicht »Brüderchen und Schwesterchen« vorgelesen?
Herricht (bedauernd) Nein, nur mir! Ich war ja ein Einzelkind!
Preil (hat nun genug. Er zieht Herricht dicht an die Seite) Kommen Sie her... schauen Sie hier in das Büchlein. Hier auf die Marken. Das sind Märchenmarken! Und das hier ist »Brüderchen und Schwesterchen«. Und das ist ein Märchen von Grimm!
Herricht (bewundert alles) Ach, wie schön...!
Preil (deutet auf eine andere Briefmarke) Und wer ist das hier hinten?
Herricht (selbstverständlich) Das ist Frau Grimm!
Preil (ungehalten) Dummes Zeug... das ist ihre Mutter...!
Herricht (wieder mit Spätzündung) Aha, das ist meine... Was... das ist doch nicht meine Mutter?
Preil (erklärt es ihm) Dan nehmen Sie doch die Lupe und vergrößern die Mutter...
Herricht (bereitwillig und sehr albern) Vergrößern... die Mutter! Ah, jetzt wird sie Groß! Das ist 'ne Großmutter.
Preil (schnauzt ihn sofort an) Nehmen Sie doch den Daumen da runter.
Herricht (erstaunt) Warum denn?
Preil (besorgt) Sie verletzen doch die Zähne!
Herricht (versteht nicht) Wen... bitte?
Preil (deutlicher werdend) Sie verletzen die Zähne!
Herricht Von der Großmutter?!
Preil (böse) Nein!Außen herum!
Herricht (verdattert) Die Großmutter hat die Zähne außen rum?
Preil (verbessert lauthals) Falsch!!!
Herricht (das glaubt er) Ja... hat falsche Zähne!
Preil (jammernd) Nein! Ich meine doch die Zacken!
Herricht (ungläubig) Die Großmutter hat Zacken...
Preil (aufgelöst) Nein, nein, nein... die Briefmarke hat Zacken, und diese Zacken nennt man Zähne...
Herricht (sehr erstaunt) Ach, die Zähne nennt man Zacken? Also nun hören Sie auf, Herr Preil. Ich bekomme ja Zackenschmerzen! Das ist ja furchtbar... was Sie mir alles erzählen...
Preil (faucht ihn gehörig an und zieht einen Brief aus der Brusttasche) Zum Donnerwetter noch mal... kommen wir endlich zur Sache... Ich habe hier einen Brief...
Herricht (knurrig) Eine Drucksache?!
Preil Nein!
Herricht Nein!
Preil (erläuternd) Einen ganz gewöhnlichen Brief.
Herricht (tut interessiert) Was steht denn drin?
Preil Den hab' ich doch geschrieben.
Herricht (erstaunt) Dan müssen Sie ja wissen, was drin steht.
Preil (streng) Das interessiert doch niemanden!
Herricht (verwundert) Ach, das interessiert niemanden! Dann brauchen wir ja den Brief nicht abzuschicken.
Preil (heftig) Den Postbeamten interessiert nur die Adresse... sonst nichts!
Herricht (erstaunt) Das ist ja interessant. Den Postbeamten interessiert nur die Adresse... sonst nichts!?
Preil (bestätigt noch mal) ...sonst nichts!
Herricht (erfreut) Herr Preil, jetzt habe ich alles verstanden. Jetzt können wir richtig anfangen!
Preil (ist einverstanden) Na, los! Frankieren!
Herricht (selbstverständlich) Nach Frankreich?
Preil (befiehlt weiter) Halt, nicht so... Per Luftpost...!
Herricht (mit Bedauern) Tja... das geht nicht, Herr Preil. Wir haben im Moment keine Brieftauben.
Preil (nervös) Doch keine Brieftauben...
Herricht (weiß sofort eine Lösung. Er befeuchtet eine Marke aus Preils Sammelalbum und klebt sie mit Schwung auf die Rückseite des Briefes) Na gut... das nehmen wir hier aus ihrem Büchlein... den Wanderfalken, der macht's auch!
Preil (entsetzt) Menschenskind, doch nicht meine guten Marken... und warum kleben Sie sie denn auf die Rückseite...?
Herricht (schlagfertig) Das ist gleich für den Rückflug!
Preil (voller Verzweiflung) Ist denn das so schwer?
Herricht (mißversteht und prüft das Gewicht des Briefes und klebt die Eulenmarke noch dazu) Ja, das ist schwer. Oh... der hat ja Übergewicht! Wird der Fale gar nicht schaffen... nehmen wir noch Ihre Eule dazu...
Preil (platzt der Kragen) Schluß - Aus - Raus...
Herricht (verläßt ergeben den Schalter) Schluß - Aus - Raus!
Preil (nimmt wütend Herrichts Platz ein) Jetzt werde ich Ihnen zeigen, wie's auf der Post zugeht...
Herricht (verdreht die Augen) Ach, du liebe Zeit...
Preil (fragend) Haben Sie zufällig einen Brief?
Herricht (verneint) Nein, ich habe keinen Brief! Ich wollte ja nur schnell zur Post und wollte eine Postanweisung aufgeben.
Preil (ist zufrieden) Eine Postanweisung? Gut, nehmen Sie die Postanweisung.Dann werde ich Ihnen bei der Postanweisung zeigen, wie's gemacht wird.
Herricht (rekapituliert) Eine Frage noch, Herr Preil... Den Postangestellten interessiert nur die Adresse... sonst nichts??
Preil (bestätigt) Sonst nichts! Na, bitte, gut gelernt!
Herricht (eilfertig) Herr Preil... ich komme jetzt!
Preil (aufatmend) Guuuut! Kommen Sie! Guten Tag!
Herricht (höflich) Ja... guten Tag! Sehr verehrter Herr Brieföffner Na, Sie wissen schon! Ich habe hier eine Postanweisung...
Preil (sehr zuvorkommend) Möchten Sie eine Märchenmarke oder eine Sammlermarke... vielleicht ist der Empfänger Sammler...?
Herricht (erfreut) Ja, danke. gern! Hätten Sie Knüppel aus dem Sack?
Preil (erstaunt auf die Adresse starrend) Nanu... An wen ist denn das? Das ist ja an mich!
Herricht (erklärt heiter) Ja, eben drum... Ich wollte Ihnen die 100 Mark zurückschicken... die Sie mir...
Preil (abwehrend) Unsinn... die brauchen Sie mir doch nicht zurückschicken. Die können Sie mir doch gleich hier geben...
Herricht (gibt der ausgestreckten Hand von Preil einen Klaps) Finger weg!
Preil (zuckt zurück) Aua...!
Herricht (sehr streng) Den Postangestellten interessiert nur die Adresse... sonst nichts!!
(steckt die 100 Mark ein und verläßt schnellstens die Post)

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