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Der nachfolgende Sketch wurde anläßlich des »Köpenicker Sommers«, Anfang der sechziger Jahre in Berlin-Köpenick, in einer Fernsehübertragung das erste Mal öffentlich aufgeführt. Mit von der Partie war die beliebte Fernsehansagerin Annemarie Brodhagen. Sie erklärte sich liebenswürdigerweise bereit, in unserem Sketch mitzuspielen.

Preil (kommt mit Herricht im Gespräch auf die Bühne. Dabei liest Preil einen Brief, den Herricht bekommen hat) »... für eine ausführliche Rücksprache, dieses Rollen-Angebot betreffend, erwarten wir baldmöglichst Ihren Rückruf...« Ich verstehe Sie nicht, Herr Herricht, Sie lieben die Schauspielerei, und nun kommt so ein tolles Angebot vom Film, und Sie jammern...
Herricht (unsicher) Ich jammere überhaupt nicht, aber Sie haben ja gelesen, was das für eine Rolle sein soll.
Preil (begreift es nicht) Das steht doch hier im Brief! Man bietet Ihnen den »Oberkellner Karl« im »Hotel Berolina« an!
Herricht (von Zweifeln geplagt) Das ist es ja!
Preil (versteht nicht) Was ist »Das ist es ja«?
Herricht (gequält) Ich kann das nicht.
Preil (will es genau wissen) Was... können Sie nicht?
Herricht (klagt) Na, das Kellnern. Mit einem Tablett rumschwenken... Wein einschenken...! Eben das Versieren...
Preil (ist ungeduldig) Servieren...
Herricht (kläglich) Sehen Sie, es geht schon wieder los. Sie müssen mich schon wieder verbessern. Nein, nein, ich kann die Rolle nicht annehmen!
Preil (redet auf ihn ein) Unsinn! Denken Sie mal an Paul Hörbiger, Hans Moser, Theo Lingen... wieviel Rollen die als Kellner in ihrem Leben gespielt haben... Übung macht den Meister!
Herricht (immer noch unentschlossen) Tja, Herr Preil, Übung!
Preil (zuckt mit den Schultern) Jawohl, Übung. Dann werden wir eben das Kellnerieren üben.
Herricht (strahlt) Üben? Ich? Mit Ihnen? Ich meine... Sie mit... mir?
Preil (freundlich) Wenn Sie nichts dagegen haben?
Herricht (begeistert) Wie könnte ich!
Preil (liest nochmals) Hier steht also...: »Rolle des >Oberkellners Karl< im >Hotel Berolina<!«
Herricht (schon wieder verzagt) Auch noch im »Berolina«!?
Preil (ungeduldig) Wollen Sie etwa in der Mitropa auf dem Ostbahnhof als Kellner arbeiten?
Herricht (zuckt mit den Schultern) Wäre mir lieber. Da gibt's nur Bockwurst und Bouletten... und die werde ich wohl noch versieren können?
Preil (verbessert wieder) Ich habe doch gerade gesagt, das heißt: servieren. Woher kommt wohl das Wort servieren?
Herricht (prompt) Das kommt wohl von dem Wort »Servus«!
Preil Wie kommen Sie denn darauf?
Herricht (erklärt) Ich kenne einen Ober, wenn der was runterschmiß, sagte er immer: »Na, servus!«
Preil (dagegen) Machen Sie sich nichts vor. Alles will gelernt sein.
Herricht (wieder unschlüssig) Herr Preil... ehrlich... ich kann die Rolle nicht annehmen.
Preil (böse) Natürlich werden Sie die Rolle annehmen...
Preil (schiebt einen kleinen Tisch nach vorn. Stellt zwei Stühle an den Tisch und legt eine Speisekarte auf den Tisch. Die Speisekarte ist eine Ansichtskarte, die Preil in der Tasche hatte)
Herricht (erstaunt) Sie wollen wirklich mit mir üben?
Preil (lächelnd) Ja doch, ich werde jetzt mit Ihnen üben.
Herricht (begeistert) Könnten Sie nicht erst der Kellner Karl sein?
Preil (verwundert) Warum denn?
Herricht (erklärt) Damit ich weiß, wie ich es anfangen muß. Ich lerne dann doch wieder soviel von Ihnen!
Preil (kurz entschlossen) Gut! Also setzen Sie sich hin.
Herricht (wehrt ab) Soll ich nicht erst mal in das Lokal reinkommen?
Preil (holt tief Luft) Auch gut! Kommen Sie rein.
Herricht (geht ein paar Schritte, dreht sich um) Und wie heißt das Lokal?
Preil (ungeduldig) Das ist doch völlig egal.
Herricht (ist dagegen) Mir aber nicht. Ich möchte ja schließlich wissen, wo ich gelernt habe!
Preil (erfindet) Also schön. Das Restaurant heißt »Zur goldenen Gans«!
Herricht (geht ab. Dreht sich nach ein paar Schritten um und scheint irgend etwas am Eingang zu lesen) Ist hier der Eingang in den Gänsestall? Ich meine, kommt man hier in die Gans rein?
Preil (kommt voller Ungeduld aus der Seitengasse, wo er eine Tischdecke geholt hat) Jaaaa! Das ist der Eingang. Nun kommen Sie endlich. Hallo... Herr Herricht... was ist denn? Warum kommen Sie nicht rein?
Herricht (gibt Auskunft) Ich lese die Speisekarte, ob es sich überhaupt lohnt reinzukommen.
Preil (ungeduldig) Wird's nun bald? Ich decke gerade Ihren Tisch ein.
Herricht (noch an der Tür) Sie wecken gerade meinen Tisch ein? Das habe ich auch noch nicht gehört. Guten Tag!
Preil (antwortet und legt dabei das Tischtuch auf) Guten Tag, der Herr!
Herricht (höflich) Haben Sie noch einen eingeweckten Tisch frei?
Preil (unmutig, dann plaziert er höflich den Gast auf einen Stuhl) Bitte, Herr Herricht, wir spielen ernsthaft. Darf ich bitten?
Herricht (höflich) Darf ich danken?
Preil (bleibt immer noch höflich) Hier ist die Speisekarte, mein Herr. Möchten Sie zu Mittag speisen?
Herricht (ebenso, dann liest er die Ansichtskarte) Nein, ich möchte heute Mittag mal was essen! Na, dann wollen wir mal lesen...
(Er dreht die Karte um und liest.) »Lieber Herr Preil, aus Prag die besten Grüße, von Tante Ella und Josef. Wir sitzen in einem wunderschönen Restaurant...«
(blickt sich kritisch um) »Wunderschönen Restaurant«... Na ja... Prag!... Wir haben Knödel mit Schweinebraten bestellt...
Preil (nimmt wütend die Ansichtskarte an sich) Sie sollen nicht meine Ansichtskarte vorlesen... sondern bestellen. Und was bestellen Sie?
Herricht (sofort) Schöne Grüße!
Preil (verdutzt) An wen denn?
Herricht (liest den Absender) An Tante Ella und Josef!
Preil (erzürnt) Die Karte ist doch an mich!
Herricht (vorwurfsvoll) Und haben Sie geantwortet?
Preil (ungemütlich) Nein!
Herricht (lakonisch) Na also!
Preil (wird es zuviel) Wollen der Herr nun bestellen?
Herricht (ungerührt) Der Herr will nun... Knödel mit Schweinebraten bestellen!
Preil (notiert) Und als Getränk?
Herricht (nimmt Preil die Karte wieder weg und liest) Moment, ich sehe nach. Ach, hier steht es ja. Schwarzes Bier...!
Preil (notiert und verbessert) Das heißt Schwarzbier! Und Schwarzbier ist ein dunkles Lagerbier nach einem bayerischen Rezept von 1843.
Herricht (enttäuscht) Oh, das muß aber abgestanden schmecken.
Preil (belehrt) Im Gegenteil, es hat einen Beigeschmack von Rauchkaramel. Das schenken wir aber nicht aus.
Herricht (selbstverständlich) Das sollen Sie ja auch nicht ausschenken, das sollen Sie mir ja einschenken.
Preil (kurz) Dann müssen der Herr nach Prag fahren. Aber wie wär es dann mit einem Espresso?
Herricht (steht auf und wendet sich zum Abgang) Gute Idee, ich trinke das Bier im Expreßzug.
Preil (erstaunt) Wo wollen Sie denn hin?
Herricht (blickt auf die Ansichtskarte) Zu Tante Ella... nach Prag!
Preil (verblüfft) Wer ist denn Tante Ella?
Herricht (selbstverständlich) Das müssen Sie doch wissen. Tante Ella hat Ihnen doch geschrieben.
(erhebt sich wieder und will gehen) Mahlzeit!
Preil (unterbricht das Spiel) Halt! Das führt zu nichts! Wir unterbrechen das Spiel.
Herricht (bedauert) Schade! Ich wollte immer mal nach Prag.
Preil (kurz angebunden) Jetzt nicht. Eine Frage, Herr Herricht.
Herricht (freundlich) Nur Mut!
Preil (interessiert) Haben Sie dem Ober etwas angemerkt?
Herricht (erstaunt) Ich habe gar nicht gemerkt, daß einer da war...
Preil (ungehalten) Sie können es gleich besser machen. Ich meinte nur, daß mein Ober in jeder Situation ruhig und gelassen blieb. Und das muß ein guter Ober in jeder Situation sein! So... und jetzt sind Sie der Ober, und denken Sie dran, immer ruhig und gelassen!
Herricht (einverstanden) Sie werden überrascht sein, wie ruhig und verlassen ich bin!
Preil (verbessert) Gelassen, nicht verlassen!... Sie sind doch hier nicht allein!
Herricht (blickt sich erstaunt um) Ja, ich staune, wie voll das hier geworden ist. Wir beginnen wieder von vorn?
Preil (einverstanden) Jawohl, von ganz vorn...
Herricht (nimmt die Tischdecke ab) Dann kommt die Tischdecke ab.
Preil (verwundert) Was machen Sie denn?
Herricht (legt die Tischdecke zusammen) Wir beginnen von ganz vorn. Ich werde den Tisch noch einmal einwecken! Gehen Sie raus!
Preil (sehr erstaunt) Was ist los?
Herricht (barsch) Sie sollen das Lokal verlassen. Wir öffnen erst um 12.00 Uhr. Sie müssen draußen warten. Ich schließe pünktlich auf!
Preil (wütend) Sind Sie übergeschnappt?
Herricht (winkt ab) Sie können sich darauf verlassen!
(schiebt Preil bis zum Auftritt, wo er selbst vorhin eingetreten ist) Kleinen Moment... wir öffnen gleich. Vielleicht lesen Sie erst die Speisekarte.
Preil (erstaunt) Wo denn?
Herricht (ungeduldig) Na, da! An der Tür!
Preil (tut so, als studiere er die Speisekarte. Dann wendet er sich zur angenommenen Eingangstür. Er klopft ungeduldig)
Herricht (steht mit der Tischdecke und einer Serviette über dem Arm auf der anderen Seite der Tür und blickt auf seine Armbanduhr. Er bedeutet Preil durch ein Abwinken, daß es noch nicht soweit sei. Dann zählt er stumm, mit seinen Fingern, die letzten Sekunden. Öffnet und bittet Preil herein) Ham' wohl Kohldampf, was? Ham' Sie schon auf der Speisekarte was ausgesucht?
Preil (mißtrauisch) Ja, habe ich!
Herricht (ungerührt und tut so, als nehme er die Karte an der Tür ab) Nützt nur nichts. Die Karte ist von gestern! Bitte, setzen Sie sich hier hin.
Preil (schüttelt den Kopf) Könnte ich vielleicht dort am Fenster sitzen?
Herricht (lehnt kategorisch ab) Hier wird nicht umgeräumt.
Preil (setzt sich ergeben) Also gut, Herr Ober. Ich möchte gern zu Mittag essen...
Herricht (knurrig) Das wollte ich auch... Moment... ich muß erst den Tisch einwecken...
(Er reißt das Tischtuch hoch in die Luft und läßt es über Preil und Tisch niederfallen.) Herr Preil... guckguck, wo sind wir denn?
Preil (kommt wütend unter der Tischdecke hervor) Lassen Sie den Blödsinn. Ich bin hier!
Herricht (albern) Und ich dachte schon, Sie sind bereits im »Ratskeller«.
Preil (verwundert) Ist denn der »Ratskeller« gut?
Herricht (macht Reklame) Vorzüglich! An Ihrer Stelle würde ich dorthin gehen.
(Dann nimmt er aus seinen Taschen Messer, Gabel und Löffel und knallt es auf den Tisch. Aus seiner Brusttasche nimmt er sein Taschentuch) Als Serviette... damit wir uns nicht bekleckern.
(legt es Preil auf den Schoß)
Preil (juchzt auf) Naaaa... lassen Sie das!
Herricht (albern) Verzeihung... ich habe mich vergriffen. Jetzt sollten Sie sich erst die Speisekarte anschauen...
(Er nimmt Preil die Postkarte aus der Tasche und blickt auf das Datum) Bitte sehr... Es ist die Speisekarte von voriger Woche...
Preil (verblüfft) Von voriger Woche?
Herricht (bedauernd) Was kann ich dafür, wenn Sie erst heute kommen?
Preil (freundlich) Was können Sie mir also empfehlen.
Herricht (gelassen) Den »Ratskeller« nebenan...
Preil (empört) Ich will aber hier essen. Was haben Sie denn heute Gutes?
Herricht (mit Block, bereit zum Notieren) Was möchten Sie - Hammel?
Preil (wütend) Erlauben Sie mal.
Herricht (einverstanden) Gut! Ich erlaube Hammel. Mit Bohnen?
Preil (bestellt weiter) Natürlich mit Bohnen!
Herricht (lehnt ab) Kann ich Ihnen nicht empfehlen... die sind nämlich noch »grün«!
Preil (erklärt) Zu Hammel ißt man aber grüne Bohnen! Kann ich dazu ein Bier bekommen?
Herricht (gelassen) Nein! Erst wird was gegessen.
Preil (fordert ihn auf) Und das Essen können Sie jetzt bestellen.
Herricht (erstaunt) Und bei wem?
Preil (böse) Mein Gott... in der Küche! Beim Koch! Wo ist denn bei Ihnen der Koch?
Herricht (gelassen) Der ist weg!
Preil (erstaunt) Weg? Was heißt denn weg?
Herricht (erklärt) Er hat das Feuer im Herd mit Petroleum angemacht.
Preil (entsetzt) Und...? Wo ist er?
Herricht (in aller Seelenruhe) Keine Ahnung! Wir haben ihn noch nicht wiedergefunden.
Preil (fordert ernsthaft) Dann schauen Sie gefälligst nach. Ich möchte hier nicht stundenlang herumsitzen.
Herricht (geht wenige Schritte zur Küche)
Preil (hält ihn auf) Da fällt mir was ein - haben Sie Froschschenkel, Herr Ober?
Herricht (will weiter zur Küche) Nee... ich laufe immer so!
Preil (ruft hinterher) Ja, ja, schon gut! Dann haben Sie vielleicht Frikassee auf Risotto?
Herricht (kommt zwei Schritte zurück) Kann nicht sein. Otto hat heute frei!
Preil (bestellt neu) Aber ein Steak werden Sie vielleicht haben?
Herricht (wieder zwei Schritte zur Küche) Mein Herr, wir sind ein Restaurant und kein Auskunftsbüro!
Preil (wütend) Mein Gott, ist denn das zu glauben. Ich bin schon wieder bedient!
Herricht (zückt den Kassenblock) Ach? Da kann ich ja abkassieren!
Preil (versucht's wieder) Bitte, eine Brühe mit Einlage.
Herricht (bedauernd) Mit Einlage? Haben Sie Fußbeschwerden?
Preil (faucht ihn an) Nehmen Sie sich doch zusammen.
Herricht (ruhig) Ich bin ganz gelassen...
Preil (erklärt) Mit Einlage heißt mit einem Ei!
Herricht (staunt) Ein Ei im Schuh? Ich kenne nur Ei im Glas!
Preil (bestellt noch mal) Dann eine klare Brühe!
Herricht (schaukelt ab und ruft zur Küche) Klara... eine Brühe!
Preil (ruft hinterher) Die DEFA wird sich freuen.
Herricht (kommt mit der Suppentasse balancierend zurück. Er plaziert die Tasse mit Schwung vor Preil auf dem Tisch und kleckert) Vorsicht... heiß und fettig!
Preil (rutscht hastig zur Seite) Sie haben gekleckert...!
Herricht (gelassen) Na, servus! Zum Wohl...!
Preil (verbessert ungehalten) Das ist falsch! Nur bei Getränken heißt es »zum Wohl«!
Herricht (lakonisch) Dann trinken Sie eben die Brühe!
Preil (schaut in die Tasse) Sagen Sie mal, Herr Ober, da sind ja überhaupt keine Fettaugen auf der Brühe.
Herricht (gelassen) Dann schläft sie sicher noch.
Preil (hat gekostet) Und außerdem schmeckt sie entsetzlich nach Seife!
Herricht (mit Erleuchtung) Und ich denke schon tagelang darüber nach, warum auf der Toilette keine Seife ist!
Preil (kritisiert böse) Das ist ja wohl alles nicht in Ordnung! Wie sehen Sie das, Herr Ober?
Herricht (zuckt mit den Schultern) Das sehe ich ganz gelassen.
Preil (blickt abermals in die Speisekarte) Haben Sie Wildente?
Herricht (höflich) Nein, nur zahme! Ich kann sie aber reizen... damit sie wild wird!
Preil (etwas ermüdet) Ich wollte lediglich damit sagen: daß ich gern Wild esse. Sie auch?
Herricht (höflich) Nein, ich esse immer langsam, wie es sich gehört.
Preil (klagt) Wie soll man da bei Ihnen die Ruhe bewahren?
Herricht (freundlich und abgehend) Indem man schön gelassen bleibt.
Preil (ungehalten und laut hinterherrufend) Dann kann ich Ihnen auch nicht mehr helfen.
Brodhagen (kommt dazu) Guten Tag, Herr Preil, haben Sie Ärger?
Preil (sarkastisch) Wie kommen Sie denn darauf. Ich bin der glücklichste Mensch in diesem Lokal.
Brodhagen (erstaunt) Lokal? Was für ein Lokal?
Preil (erklärt die Situation) Hier... wo Sie gerade stehen... Oh, Verzeihung, nehmen Sie doch bitte Platz... Also, da Sie nun sitzen, es ist ein Speise-Restaurant...
Brodhagen (ahnungsvoll) Oh... ich ahne Schreckliches. Rolf Herricht ist auch hier, und Sie beide spielen wieder irgendeine Situation.
Preil (erzählt weiter) Er hat eine Filmrolle angeboten bekommen...
Brodhagen (weiß Bescheid) Ich weiß... als »Oberkellner Karl« im »Hotel Berolina«.... Und nun läßt er sich von Ihnen das Kellnerieren erläutern... stimmt's?
Preil (gesteht bedrückt) Es war mein Vorschlag. Pst... da kommt er. Sie spielen jetzt meine Frau...
Brodhagen (belustigt) Ist gemacht. Ich spiele mit... Hallo... Herr Ober...
Herricht (eilt herbei) Bitte sehr... bitte gleich! Oh... eine gastliche Dame...
(zu Preil gewandt) Die Frau Gemahlin?
Preil (erstaunt) Wie kommen Sie denn darauf?
Herricht (spitz) Eben... das frage ich mich auch.
Preil (böse) Herr Ober, die Dame möchte etwas bestellen.
Herricht (zu Brodhagen) Meine Dame... von wem möchten Sie mir etwas bestellen...?
Brodhagen (sehr distinguiert) Ich möchte das gleiche essen wie Herr Preil.
Herricht (vorlaut) Mal sehen, ob's noch reicht!
Brodhagen (überhört die Antwort) Was haben Sie für einen Wein zum Essen?
Herricht (patzig) Zum Essen gar keinen. Bei uns wird der Wein getrunken.
Preil (mischt sich ein) Roten oder Weißen?
Herricht (gelassen) Sie sind gar nicht gefragt! Erst die Dame, hier geht's nach Schönheit.
Preil (haut wütend die Serviette auf den Tisch) Eine Unverschämtheit...
Herricht (ungehalten zu Preil) Knüllen Sie die Serviette nicht so zusammen. Wir haben nur die eine!
Brodhagen (nochmals) Also: Roten oder Weißen?
Herricht (sehr höflich) Ich würde vorschlagen: Blauen!
Preil (wieder dazwischen) Blauen gibt es nicht!
Herricht (erregt sich, auch um der Dame zu imponieren) Noch ein Wort, und Sie fliegen raus.
(zu Brodhagen) Gnädige Dame... ich meinte damit einen spätfrühen Bommelunder...
Preil (wieder verbessernd) Burgunder!
Herricht (patzig) Burgunder-Blaubeerwein!
(Er dreht sich um die eigene Achse und holt dabei eine Weinflasche aus der Hosentasche und zwei Gläser aus der Jackentasche.) Tja... ein guter Ober muß auf alles vorbereitet sein.
Preil (provokant) Nun bin ich gespannt. Bitte schenken Sie ein.
Herricht (unhöflich) Können Sie das nicht selber...
Preil (examiniert) Ich schon. Ich wollte es aber von Ihnen sehen. Bitte, wie schenkt man ein?
Herricht (überheblich) Na, wie schon? Von oben natürlich!
Preil (belehrt ihn) Man fragt den Gast: Darf ich? Und nimmt dann selbst einen kleinen Schluck als Kostprobe! Bitte.
Herricht (trinkt einen Schluck aus der Flasche) Aaaaahhh! Schmeckt vorzüglich!
Preil (ungehalten) Was denn, was denn? Die Kostprobe kommt doch in ein Glas!
Herricht (erstaunt) Ich kann doch nicht aus Ihrem Glas trinken.
Preil (bricht wütend ab) Entschuldigung, Annemarie, das halte ich nicht aus. Es klappt nichts. Herr Herricht, es klappt überhaupt nichts...
Brodhagen (mit Einfall) Nur Vertrauen, Herr Preil, ich würde vorschlagen, Sie spielen jetzt einmal den Oberkellner Karl, und Herr Herricht ist der Gast. Dann kann er bei Ihnen sehen, wie es gemacht wird.
Preil (willigt ein) Gut! Also, wenn Sie meinen... das Ganze noch einmal. Wie gesagt, ich bin der Oberkellner Karl, und Sie sind ein Gast.
Herricht (dazwischen) Das hatten wir schon. Ist mir aber recht, Herr Preil. Und Annemarie?
Preil (erklärt weiter) Annemarie Brodhagen ist nun Ihre Begleiterin, und Sie sind der Kavalier.
Herricht (mit Bedauern) Tut mir leid, aber ich spiele gar nicht Klavier.
Preil (klagt und redet dann eindringlich auf Herricht ein) Sehen Sie, Annemarie, es geht einfach nicht! Sie sollen nicht Klavier, sondern den Kavalier spielen. Und Sie sollen jetzt mit Annemarie ausgehen, lieber Herr Herricht...!
Herricht (winkt wiederum ab) Lieber Herr Preil... auch das geht nicht!
Preil und Brodhagen (wie aus einem Mund) Wieso denn nicht?
Herricht (bedauernd) Ich habe kein Geld!
Preil (wütend) Wir spielen doch nur!
Annemarie (ebenso) Wir spielen doch nur!
Herricht (konsequent) Ach, wir spielen das nur! Aber ich gehe doch nicht mit Annemarie Brodhagen aus und lasse dann anschreiben!?
Preil (holt aus seinem Portemonnaie wütend 100 Mark) Hier... 100 Mark... das wird wohl reichen.
Herricht (sofort) Keinesfalls, lieber Herr Preil... Das ist zuwenig. Für eine Person, vielleicht... Aber, wenn ich mit Annemarie ausgehen soll, müssen Sie noch was drauflegen.
Preil (gibt nochmals 100 Mark) Hier... noch mal 100 Mark. Das muß jetzt reichen.
Herricht (steckt das Geld ein) So ein Knickstiefel...
Preil (böse) Was war das eben...?
Herricht (freundlich) Ich sagte zu Annemarie, wir trinken erst einen Knickebein-Shake... Darf ich bitten... werte Dame?
Annemarie (mit einem Schmunzeln) Danke, werter Herr!
(Beide wenden sich zum Abgang.)
Preil (wie versteinert) Ja aber... was ist denn? Halt... Halt...! Sie wollten doch speisen? Wo wollen Sie denn hin?
Herricht (sehr freundlich) In den Ratskeller... Und jetzt schön gelassen bleiben!
Beide (zusammen ab) Auf Wiedersehen!

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