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Der Bühnenanzug

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Rolf Herricht und Hans-Joachim Preil kommen im Gespräch auf die Szene.

Herricht (möchte eine Ansage machen) ...warum darf ich das denn nicht mal versuchen? Aber, Herr Preil! Nur mal versuchen, eine ganz kleine Ansage... ! Die ist so klein, das ist schon beinahe eine Absage!
Preil (bleibt hart) Reden Sie doch kein dummes Zeug.
Herricht (läßt nicht locker) Nur mal so! Gewissermaßen zum Lernen. Ich lerne doch immer soviel von Ihnen.
Preil (großspurig ablehnend) Weder eine kleine... noch eine große Ansage! Und schon gar nicht in diesem Anzug.
Herricht (erstaunt) Wieso, was haben Sie gegen meinen Anzug? Das ist doch ein sehr schöner Anzug.
Preil (überheblich) Da bin ich aber ganz anderer Meinung. Sehen Sie mich an. So sieht ein Bühnenanzug aus. Würden Sie denn einen Blazer tragen?
Herricht (prompt) Ich weiß zwar nicht, wie Sie jetzt darauf kommen? Aber, wenn er sich verletzt hat und nicht mehr laufen kann...
Preil (unterbricht ungeduldig) Was reden Sie denn da? Ich sagte Blazer! Kennen Sie denn keinen Blazer?
Herricht (überlegt kurz und staunt plötzlich) Doch! Ich kenne den Bläser Ludwig Güttler! Was denn? ... Und der kann nicht mehr laufen?
Preil (nervös) Nein. Doch nicht so einen Bläser! Was ich hier anhabe, das ist ein Blazer! Diese Jacke nennt man einen Blazer.
Herricht (glaubt verbessern zu müssen) Ich würde sagen: gehört einem Bläser?!
Preil (intensiver) Nein! Ich trage hier einen Blazer. Und warum?
Herricht (vorlaut) Weil... er wirkt so aufgeblas... Verzeihung.
Preil (ungehalten) Nun nehmen Sie sich mal zusammen. Weil er gut zu mir paßt.
(zeigt auf Herrichts Hose) Aber betrachten wir doch mal erst Ihre Hose! Was gibt es dazu zu sagen...?
Herricht (verunsichert) Die paßt nun wiederum gut zu mir!
Preil (widerspricht energisch) Nein! Die geht ganz und gar nicht...
Herricht (bestätigt) Das ist wahr... alleine nicht! Ich muß schon selbst damit geh...
Preil (böse) Nicht doch... Sie bringen wieder alles durcheinander. Diese Hose ... die Sie da anhaben, paßt überhaupt nicht zu einem Blazer.
Herricht (bestätigt) Herr Güttler hat sie auch noch nicht angehabt.
Preil (erregt) Ich rede nicht vom Trompeter Güttler... ich rede von Ihrer Hose! Und die paßt nur zu...?
Herricht (will keinen Streit) Zu einem... Streicher?
Preil (ist fast außer sich) Quatsch! Sagen Sie mir lieber, woher Sie die haben?
Herricht (prompt) Hat mir mal ein guter Bekannter geschenkt.
Preil (plustert sich auf) Wer war denn dieser geschmacklose Mensch?
Herricht (mit Befriedigung) Sie!
Preil (erschrocken) Ich? Na ja... so schlimm ist sie nun auch wieder nicht.Trotzdem... für die Bühne müßte es etwas völlig anderes sein.
Herricht (neugierig) Müßte es sein... !
Preil (Herricht musternd) Ja... völlig anders.
Herricht (mit Einfall) Herr Preil, ich hätte da zu Hause noch eine Hose!
Preil (zufrieden) Und wie sieht die aus?
Herricht (großartig) Völlig anders!
Preil (zweifelnd) Können Sie die beschreiben...?
Herricht (irritiert) Beschreiben... Ich? Die Hose... Ja... das kann ich.
Preil (ungehalten) Zuerst das Dessing!
Herricht (ohne zu zögern) Zuerst... das was?
Preil (noch geduldig) Das Dessing!
Herricht (unverdrossen) Verstehe! Also... die Badehose! Die Badehose ist nun auch völlig anders...
Preil (verdutzt) Was denn für 'ne Badehose?
Herricht (knurrig) Für's Bassin.
Preil (noch ruhig) Sie sollen ihre Anzughose beschreiben. Muster. Stoffart...
Herricht (geduldig) Gut... also nochmal...! Ich beginne wieder von vom. Die Hose... Die Hose ist also zum Baden nicht geeignet. Aber das liegt nicht an der Hose, sondern am Bassin.
Preil (sehr ungehalten) Hören Sie mit dem Blödsinn auf. Ihre Hose ist zum Beispiel kariert?
Herricht Oh, nein...!
Preil (verdutzt) Was ist sie dann?
Herricht (selbstverständlich) Nicht kariert!
Preil (voller Ahnung) Gestreift?
Herricht (stolz) Jawoll... gestreift.
Preil (überheblich) Mein Gott... wer trägt denn noch gestreifte Hosen?
Herricht (mit Überzeugung) Niemand... ich trage meine Hosen immer allein.
Preil Also gut... Beschreiben Sie diese Hose.
Herricht (beginnt wieder) Gut... also nochmal...! Ich beginne wieder von vorn. Die Hose... Die Hose ist also ZUm Baden nicht geeignet. Aber das liegt, wie gesagt, am Bassin.
Preil (wird laut) Die Streifen! Wie sind diese Streifen...?
Herricht (trocken) Gestreift...
Preil (wütend) Wie... gestreift?
Herricht (bereitwillig) Soll ich beschreiben...?
Preil (ungeduldig) Ja doch! Mein Gott noch mal...
Herricht (beschreibt, dabei die Streifen mit den Händen andeutend) Also... Ein Streifen - kein Streifen... ein Streifen - kein Streifen... ein Streifen - kein Streifen...
Preil (ungeduldig) Die Hose besteht doch nicht nur aus Streifen...?
Herricht (folgerichtig) Nein ... zwischendurch sind sie mit Stoff verbunden. Aber das Tolle ist ja, das andere Hosenbein ist ganz genauso! Ein Streifen... kein Streifen... Ein Streifen... kein Strei...
Preil (mit Ausbruch) Ja,ja,ja,ja... ist ja gut! Und der Bund?
Herricht (bleibt gelassen) Nein, die Hose ist nicht bunt... Ich sagte ja schon, die Hose ist gestreift. Ein Streifen... kein Streifen.
Preil (fährt dazwischen) Nein... hier oben der Bund?
Herricht (nun auch zornig) Nein... da oben ist sie auch nicht bunt. Da ist sie auch gestreift... Ein Streifen... kein Streifen... Ein Streifen... kein...
Preil (schnauzt) Schluß jetzt mit den Streifen! Sie machen mich wahnsinnig. Eine andere Frage: Stoßen sie auf...?
Herricht (verdutzt) Wie bitte?
Preil (erklärt nochmals) Ob sie aufstoßen?
Herricht (verwundert) Jaaa... meist nach dem dritten Kognak...
Preil (wütend) Ob die Hosenbeine aufstoßen...?
Herricht (etwas verwirrt) Also, da müßte ich beim Trinken mal drauf achten...!
Preil (jetzt langt's gleich) Ob die Hosenbeine auf die Schuhe aufstoßen!
Herricht (völlig konfus) Auf die Schuhe?
Preil (giftet) Jaaa... Dann bekämen sie nämlich Falten.
Herricht (spielt sich auf) Oooh, das müssen aber Schuhe sein, wenn die von dem bißchen Hosengewicht gleich Falten bekommen.
Preil (abrupt) Schluß mit Ihrer Hose... Eine andere Frage...? Haben Sie nur Straßenanzüge...?
Herricht (überzeugt) Man kann sie auch in der Wohnung anziehen...
Preil (holt tief Luft) Ich möchte wissen, ob Sie einen Anzug haben... in dem Sie sich besonders wohl fühlen?
Herricht (grinseild) In meinem Schlafanzug.
Preil (ironisch) Wollen Sie vielleicht im Schlafanzug eine Ansage machen?
Herricht (überlegt verschmitzt) Wäre vielleicht 'ne Möglichkeit für eine Nachtvorstellung.
Preil Warum erkläre ich Ihnen das eigentlich alles?
Herricht (lakonisch) Das frage ich mich auch...
Preil (kommt zur Sache) Weil Ihnen ein eleganter Bühnenanzug eine ganz andere Haltung gibt. Man bewegt sich zwangloser.
Herricht (merkt es sich) Zwangloser!?
Preil (wiederholt) Darum nennt man eine so1che Jacke auch...
Herricht (neugierig) Eine Zwangsjacke...!
Preil (zieht plötzlich seine Jacke aus) Quatsch...! Hier... ziehen Sie mal meine Jacke über. Sie werden feststellen, Sie bewegen sich plötzlich ganz anders darin. Ihr Gang wird auf einmal legerer!
Herricht (mißverstehend) Das ist mir neu! Mein Gang wird auf einmal viel luschärer... aha?
Preil (verdeutlicht) Legerer... das heißt: Völlig ungezwungen schlendern Sie über die Bühne. Nehmen Sie meine Jacke...
Herricht (zieht das Jackett von Preil über sein Jackett) Ich? Ihre Jacke...
Preil (drängend) Jaaa! Ziehen Sie mal über... Überziehen... Doch nicht über Ihre Jacke ziehen!
Herricht (albern) Entschuldigung... Ich dachte an einen Überzieher!
Preil (ist behilflich) Ziehen Sie Ihre aus...! So...! Geben Sie her.
Herricht (reicht die Jacke Preil, hält sie nochmal fest) Moment... meine Brieftasche.
Preil (empört) Ich nehme ja nichts raus...
Herricht (trocken) Ist auch nichts drin.
Preil (kontrolliert) Nun ziehen Sie meine an. Na bitte... Phantastisch...
Herricht (mault) Ja... phantastisch weit.
Preil (geht zur Hand) Quatsch. Brust raus...
(schlägt Herricht auf den Rücken)
Herricht (hustet u. mault) Die Ärmel sind viel zu lang!
Preil (biegt ihn zurecht) Heben Sie die Schultern... Noch höher... Den rechten Arm anwinkeln. Den linken lässig auf den Rücken.. Tief einatmen... Na bitte... sitzt doch prima...
Herricht (steht da wie eine Vogelscheuche)
Preil (begeistert) Was glauben Sie, was das Publikum sagen wird...
Herricht (trocken) Diese Ähnlichkeit mit Herrn Preil!!
Preil (befiehlt) Sooo... und nun treten Sie auf.
Herricht (stampft mit dem Fuß auf)
Preil (wütend) Doch nicht mit dem Fuß! Sie kommen auf die Bühne zu Ihrem Auftritt.
Herricht (voller Freude) Aha... zu meinem Auftritt. Ganz luschär...
Preil (verbessert ungeduldig) Leger...
Herricht (ungerührt) Soll ich auch schlendern?
Preil (ergeben) Ja ... von mir aus auch schlendern...!
Herricht (geht ab und kommt wieder. Es ist unmöglich) Gut... dann komme ich jetzt geschlendert.
Preil (ungeduldig) Ja doch... nun los schon.
Herricht (kommt angesegelt)
Preil (fassungslos) Was machen Sie denn da...?
Herricht (stolz) Ich schlendere...
Preil (böse) Sie kommen ja an wie ein Lastensegler. Sie sollen sich zwanglos bewegen. Stellen Sie sich doch mal vor, Sie sind zu einer Gesellschaft eingeladen...
Herricht O ja... hmm...!
Preil Und alle Gäste stehen schon am kalten Büfett!
Herricht (unaufmerksam) An einem alten Büfett?
Preil (verbessert) An einem kalten Büfett! Und Sie kommen nun plötzlich dazu!
Herricht (nervt) Geschlendert...? Ich schlendere zum kalten Büfett?
Preil (ungeduldig) Ja, zum kalten Büfett! Menschenskind, wenn Sie sich so bewegen... was glauben Sie, was die Leute dann sagen?
Herricht (voller Mitleid) Dem Ärmsten ist sicher kalt!
Preil (ungläubig) Sagen Sie mal, ich muß Ihnen doch wohl nicht noch ein kaltes Büfett erklären?
Herricht (listig) Besser wär' s vielleicht...
Preil (zieht einen kleinen Tisch heran) Also gut... Nehmen wir mal diesen Tisch... Dieser Tisch ist nämlich jetzt was...?
Herricht (denkt an Hoppegarten) Ein Pferd...
Preil (wütend) Nein!! Das ist das kalte Büfett.
Herricht (bleibt ruhig) Richtig, hätte ich beinahe vergessen... Das kalte Büfett!
Preil (intensiv) Und wer steht am kalten Büfett?
Herricht (ungläubig) Das Pferd...?
Preil (schnauzt) Sind Sie übergeschnappt? Wieso steht am kalten Büfett ein Pferd?
Herricht Vielleicht ein Kaltblüter?
Preil (beginnt) Hören Sie jetzt auf mit dem Blödsinn? Das ist jetzt das kalte Büfett!
(er klopft an die Tischplatte) Und was ist das hier?
Herricht (selbstverständlich) Die kalte Platte!
Preil (doziert) Die Tischplatte! Und auf der Tischplatte sind Speisen und Getränke aufgebaut. Zum Beispiel... kalter Braten... Was noch?
Herricht (prompt) Kalter Kaffee!
Preil (unwillig) Unsinn... Und was holen Sie sich am kalten Büfett?
Herricht (albern) Kalte Füße...
Preil (schnauzt) Zum Essen...?
Herricht (unwillig zurück) Eisbein!
Preil (examiniert trotzdem weiter) Essen Sie gern halbe Eier?
Herricht Ich eß' auch gern ganze Eier!
Preil (böse) Salat...???
Herricht (antwortet folgsam) Ja... Salateier...
Preil (berichtigt ungehalten) Nicht Salateier... Das heißt: Eiersalat! Man sagt: Fleischsalat. Man sagt: Heringssalat. Man sagt: Kartoffelsalat. Ich allerdings bevorzuge nur einen Salat!
Herricht (ironisch) Ich weiß: Ochsenmaulsalat!
Preil (erregt sich gleich wieder) Lassen Sie das...! So... Sie kommen jetzt zum kalten Büfett und da steht wer??
Herricht (prompt) Ein Ochse...
Preil (wütend) Quatsch! Da steht ein sehr sympathischer Herr!
Herricht (aufmerksam) Wer soll denn das sein?
Preil (ärgert sich) Das bin ich!
Herricht (tut erstaunt) Da wäre ich ja nie drauf gekommen.
Preil (spielt jetzt Gast am Büfett) So... und nun treten Sie in Ihrer schicken, neuen Jacke ans kalte Büfett. Ganz zwanglos...
Herricht (erinnert sich) ...und schlendernd...?
Preil (kurz angebunden) Machen Sie, was Sie wollen, aber kommen Sie endlich.
Herricht (schlendert lebensgefährlich heran) Guten Abend...
Preil (spielt Gast) Guten Abend... Nanu? Was machen Sie denn hier...?
Herricht (freundlich) Ich mach hier, was ich will... Das heißt, eben schlenderte ich...!
Preil (spielt weiter) Verzeihung, wie war doch gleich Ihr Name ...?
Herricht (prompt) Schlendrian.
Preil (holt tief Luft und bemüht sich. höflich zu bleiben) Gestatten... Schneider.
Herricht (erfreut) Das trifft sich gut. Sie sind ein Schneider. Wie finden Sie denn diese abscheuliche Jacke?
Preil (braust auf) Nein, nein, nein... Wenn Sie dauernd an der Jacke herum nörgeln... vergeht einem ja die Lust.
Herricht (mit Einfall) Mir auch! Ich meine... Herr Schneider, könnte man die Jacke vielleicht ändern...?
Preil (sofort böse) Reden Sie doch keinen Blödsinn. Sie nehmen die Jacke und gehen damit zu irgendeinem Schneider.
Herricht (neugierig) Zu irgendeinem Schneider? Und damit wären Sie einverstanden?
Preil (wiederholt) Zu irgendeinem Schneider. Ja, damit wäre ich einverstanden.
Herricht (hintergründig. Er kocht schon wieder etwas aus) Mit Ihrer »wunderschönen« Jacke...? Zu irgendeinem Schneider...
Preil (gequält) Mein Gott... ja doch... zum Donnerwetter noch einmal...
Herricht (überlegend) Es ist ja nur das Problem... was soll ich dem Schneider sagen?
Preil (selbstverständlich) Der Schneider wird Sie schon beraten...!
Herricht (baut weiter vor) Mich beraten...? Aber ich verstehe doch nichts von der Schneiderei...
Preil (ungeduldig) Sie stellen sich aber auch wieder an... Der Schneider fragt Sie zum Beispiel: »Möchten Sie hinten einen Schlitz?«
Herricht (glaubt sich verhört zu haben) Was möchte ich...?
Preil (ungeduldig) Ob Sie hinten einen Schlitz haben wollen?
Herricht (verwundert) Ach... jetzt reden wir von der Hose ...?
Preil (heftig) Nein! Ich rede von der Jacke...
(klärt ihn auf) In so einer Jacke kann man hinten einen Schlitz haben!
Herricht (verblüfft) Is ja 'n Ding. In der Jacke auch?
Preil (fährt fort) Ebenso in den Ärmeln Schlitze!
Herricht (verblüfft) Wie soll denn das gehen... in den Ärmeln...?
Preil (nervös) Ja, Menschenskind... und auch an den Seiten Schlitze...
Herricht (völlig konsterniert) Auch... an den Seiten...
Preil (fortsetzend) Und dazu passen dann am besten...?
Herricht (ohne zu überlegen) Schlitzaugen.
Preil (muß sich bremsen) Mann, Mann, Mann...! Nicht mal zum Schneider kann ich Sie gehen lassen. Wir nehmen wieder unseren Tisch...
Herricht (wie gehabt) Oh Gott... jetzt geht das auch wieder los!
Preil (schnauzt ihn sofort an) Was geht wieder los? Dieser Tisch ist jetzt was...?
Herricht (verdreht die Augen) Ein Schneider...
Preil (haut wütend auf den Tisch) Was ist das hier...
Herricht (ergeben) Ein Tisch...
Preil (wie bei einem Klippschüler) Und wo ist hier ein Schneider?
Herricht (gelassen) Vielleicht ist er gerade zu Tisch?
Preil (konsequent) Hier ist jetzt eine Schneiderwerkstatt. Folglich ist der Tisch... was?
Herricht (weiß es sofort) Die Werkstatt.
Preil (schnell) Von wem?
Herricht (ebenso schnell) Vom Tischler.
Preil (laut werdend) Nein... Kann denn ein Tischler eine Jacke ändern?
Herricht (zuckt die Schultern) Wenn er umgeschult ist?
Preil (zeigt auf den Tisch) Das ist die Schneiderwerkstatt. Und der Schneider sitzt jetzt... wo?
Herricht (selbstverständlich) Am kalten Büfett!
Preil (ein Nervenbündel) Was macht er denn da nun wieder?
Herricht Er friert »wie ein Schneider«?
Preil (zornbebend) Wo sitzt der Schneider und näht?
Herricht (ohne zu überlegen) An der Nähmaschine.
Preil (erklärt eindringlich) Auf dem Tisch. Und warum?
Herricht (klug) Er hat eine Tisch-Nähmaschine!
Preil (setzt sich plötzlich im Schneidersitz auf den Tisch) So... sitzt ein Schneider bei der Arbeit. Er kreuzt die Beine. Wie sagt man dazu...?
Herricht (möchte es richtig machen) Er hat es im Kreuz.
Preil (resolut) Achtung! Wir spielen jetzt! Ich bin der Kunde... und komme mit der Jacke. Und Sie sind der Schneider. Los... rauf auf den Tisch.
Herricht (perplex) Was ist los?
Preil (schimpft wieder) Los... rauf auf den Tisch.
Herricht (unlustig) Das geht nicht...
Preil (fragend) Warum denn nicht?
Herricht Ich hab' es auch im Kreuz.
Preil (brüllt ihn an) Los... rauf auf den Tisch...!
Herricht (bockt) Der ist zu hoch! Ich bin nur ein kleiner Schneider.
Preil (verzweifelt) Mein Gott... haben Sie doch mal ein bißchen Mut.
Herricht (gibt nach) Jawohl... ich bin das »tapfere Schneiderlein«.
(springt kühn auf den Tisch) ...ich sitze...!
Preil (unwillig) Und warum denn verkehrt herum?
Herricht Ich kehre der Arbeit den Rücken zu!
Preil (geht um den Tisch) Gut... komme ich von der anderen Seite. Poch... poch... poch... poch! Kann ich hereinkommen? Guten Tag...
Herricht (ungehalten) Nicht so laut...!
Preil (erstaunt) Wieso...?
Herricht (brummig) Meine Beine sind gerade eingeschlafen!
Preil (fährt unbeirrt fort) Ich komme zur Anprobe. Es war eine dunkle Jacke... zum ändern.
Herricht (maulfaul) Ja, ich erinnere mich dunkel.
Preil (drängend) Haben Sie sie auch gut gefüttert?
Herricht (dabei an einem Stoff herummanipulierend) Ja, morgens - mittags - und abends. Sie können sie mitnehmen.
Preil (erstaunt) Sie müssen sie doch erst probieren?
Herricht (erstaunt) Wieso... ich?
Preil (verbessert) Nein... ich! Sie... mir!
Herricht (packt wütend seine Sachen zusammen und faucht Preil an) Ja... Sie mich auch...!
(verläßt eiligst die Werkstatt)
Preil (schimpfend hinterher) Wo wollen Sie denn hin...?
Herricht (sehr bestimmt) Gewerbe anmelden...!
BEIDE (ab)

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